Der Bindungshafen – Wir verlieren unsere Hauptaufgabe aus den Augen

Rollen jonglieren

Eltern tragen in unserer Gesellschaft einen gewaltigen Rucksack an Aufgaben mit sich. Wir fühlen uns gleichzeitig einer breiten Palette an Rollen verpflichtet.

  • Wir sehen uns in der Rolle des Lehrers, der Kinder fördern und ihnen Wissen eintrichtern muss.

  • Wir sehen uns in der Rolle des Spielkamerads, der bei allem mitspielt oder es ablenkt, damit dem Kind nicht langweilig wird.

  • Wir sehen uns in der Rolle der Polizei und des Richters, die Regeln überwachen, durchsetzen und Konsequenzen verhängen.

  • Wir sehen uns als verlängerter Arm der Gesellschaft, verpflichtet dem Kind Moral, Anstand und gutes Benehmen einzuimpfen.

  • Wir sehen uns in der Rolle des Beschützers, der jegliches Leid und Unglück vom Kind fernhalten will.

Ich könnte noch etliche weitere Rollen aufführen, mit denen Eltern sich identifizieren.

Mein Punkt ist, dass bei der Jonglage all dieser Rollen, die wichtigste Aufgabe in Vergessenheit gerät. Ich will damit nicht sagen, dass es all die oben genannten Rollen nicht braucht, oder diese unwichtig sind. Ich meine damit auch nicht, dass wir nicht ab und an auch aus den oben genannten Rollen agieren können. Aber wir verwenden leider viel zu viel unserer Energie für diese Rollen, während wir unsere Hauptaufgabe aus den Augen verlieren.

Bindung ist unsere Hauptaufgabe

Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, Kindern einen sicheren Bindungshafen zur Verfügung zu stellen und ihnen tiefe Bindungswurzeln zu ermöglichen.

“Einen verlässlichen Ort von Geborgenheit und Sicherheit.Ein beständiges Gefühl des Gesehen und Gehört Werdens. Einen immer währenden Platz des Willkommen seins.”
— Der Bindungshafen

Puh, das klingt nach einer gewaltigen Aufgabe.

UND DAS IST ES AUCH!!!!

Das kann ich nicht deutlich genug sagen. Es ist eine Lebensaufgabe und kann nicht einfach mal so nebenher erledigt werden. Und gerade weil diese Aufgabe so gewaltig ist, sollten wir bewusst damit umgehen. Wir sollten den Fokus darauf legen, diese eine wichtige Rolle so gut auszufüllen, wie es uns möglich ist.

Ja die anderen Rollen haben auch ihre Berechtigung und ja wir füllen diese auch teilweise aus. Aber niemals sollten wir diese Rollen über unsere Hauptaufgabe stellen. Niemals sollten diese Rollen uns darin behindern, den sicheren Bindungshafen zu repräsentieren.

Wenn wir es z. B. wichtiger finden, ihnen willkürlich ausgedachte Curricula reinzudrücken, anstatt sie in ihrer Begeisterung für ihre eigenen Interessen zu sehen.

Wenn wir Moral und Anstand über das Verständnis für die kindliche Unreife stellen und ihnen mit Beschämung und Missgunst begegnen.

Wenn wir die Einladung des Willkommen seins an Erwartungen und Bedingungen wie Leistungserfüllung oder Gehorsam knüpfen.

Wenn wir mehr damit beschäftigt sind, Schuldige zu finden und Konsequenzen auszusprechen, anstatt uns auf die Seite der Kinder zu stellen und ihnen aufrichtig zuzuhören.

Wen haben sie denn noch, wenn WIR nicht mehr auf ihrer Seite stehen?

Niemanden.

Der entscheidende Unterschied

Und genau hierin besteht der Unterschied, zwischen unserer Hauptaufgabe (der Bindung) und den anderen Rollen.

Die Welt ist voller Lehrer, die dem Kind etwas beibringen und es fördern.

Die Welt ist voller Spielkameraden, die mitspielen.

Die Welt hat genug Polizisten und Richter, die dem Kind Regelverletzungen vor Augen führen werden.

Die Welt wimmelt von Vermittlern gesellschaftlicher Erwartungen.

Aber ein Kind hat nur eine sehr begrenzte Anzahl an Personen in seinem Leben, die ihm einen Bindungshafen bieten können, diesen Ort der Geborgenheit, den Ort des Willkommen seins.

Ein Kind, dass gefördert wird, voller Wissen steckt, Spielkameraden hat, Regeln kennt und Erwartungen entspricht, aber keinen sicheren Bindungshafen besitzt, ist ein Kind in Not.

Bei der Jonglage aller Rollen, sollten wir niemals unsere Hauptaufgabe aus den Augen verlieren. Unseren Kindern ein verlässlicher Bindungshafen zu sein.

Das ist die Kernbotschaft dieses Artikels.

Es ist wie der Kapitän eines Schiffes. Er besitzt unterschiedliche Aufgaben und auch ein Ziel in der Ferne, das er ansteuert. Aber seine wichtigste Aufgabe besteht darin, die Beziehung zwischen Schiff und Wasser so zu gestalten, dass das Schiff nicht untergeht. Das bedeutet auch einmal einen Umweg in Kauf zu nehmen, geduldig abzuwarten oder bei Sturm seinen Kurs abzubrechen.

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Rückmeldungen

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  1. Danke. Deine Beiträge berühren und erwecken mich immer wieder… Zurück zum Kern. Zu Wesentlichem. Zu Herzlichem. Zur Verbindung.