Der Wandel braucht Väter

Wandel braucht Väter

Blog RSS
 

Seit fünf Jahren bin ich “Vollzeit” zu Hause.

Ich habe in der Zeit zwar auch studiert und die ersten Züge meiner Selbstständigkeit begonnen, aber mein Hauptberuf ist und war Vollzeitpapa.

Darauf bin ich stolz.

Die Begleitung von Kindern ist eine herausfordernde, verantwortungsvolle, bereichernde und erfüllende Aufgabe.

Klingt eigentlich nach einer Aufgabenbeschreibung, um die sich die Leute reißen würden oder?

Und doch fühlt es sich manchmal minderwertig an. So als sollte ich es aufgeben und “etwas Richtiges” machen (Ja so wurde das schon mehrmals an mich herangetragen).

So erwischte ich mich insbesondere in den ersten Jahren immer wieder bei dem Gedanken, warum ich denn NUR Hausmann bin.

Und genau in diesem Gedanken liegt ein großes Kernproblem, dass bei der Gleichstellungsdebatte und der Emanzipationsbewegung wenig bis keine Beachtung fand.

Es ist die Auffassung, mit der wir alle sozialisiert wurden, dass Kinder”erziehung” nichts “Richtiges” ist. Was fehlt, ist die Aufwertung des Prestiges von “Carearbeit”. Das gilt letztlich für alle Formen von Carearbeit aber insbesondere für die Begleitung von Kindern.

Weder der Aufwand, die Bedeutung oder der Nutzen finden sich in irgendeiner Form in der Anerkennung von Carearbeit wieder.

Leider beschritt die Emanzipationsbewegung den Weg von “Wir wollen so sein wie die Männer!” (Ein Paradoxon des Feminismus). Erwerbsarbeit, Karriere, Jetset, Erfolg, Kapital, Materialismus. So hat sich seit Beginn der Bewegung an der Anerkennung (und Entlohnung) klassischer “Frauenberufe” oder der Kinderbegleitung kaum etwas geändert. Stattdessen sitzen nun neben auch Frauen in den Führungsetagen der DAX-Konzerne und treiben die Dividenden für Aktienanleger *innen voran.

Und das will ich auch keiner Frau absprechen. Das RECHT auf einen gewissen Karriereweg sollte jede Frau und jeder Mann haben. Für mich ist das aber ein sehr eindimensionaler Weg für eine fairere Verteilung von Rechten und Pflichten. Die Kosten hierfür tragen letztlich die Kinder, die wegrationalisiert werden müssen. Was man in Corona-Zeiten sehr gut sehen kann.

Viel zu lange schon liegt der schwarze Peter bei Frauen und Kindern.

So fordern Sulz, Walter & Sedlacek (2018), dass Männer und Unternehmen solange auf viel mehr verzichten, “bis eine wirkliche Gleichberechtigung der Frau hergestellt ist, bei der sie ihr Muttersein behalten darf und die nicht auf Kosten der Kinder geht.”

Ein tiefgreifender sozialer Wandel braucht Väter und familienfreundliche Unternehmen (anstatt unternehmensfreundlicher Familien). Und zwar weitaus mehr als 2 Monate Elternzeit.

Dabei würde ich es gar nicht wie oben mit “verzichten” beschreiben.

Die Aufgabe, Kinder zu begleiten kann ungemein bereichernd sein und die intensive Begegnung mit dem Kind ist einer der größten Antriebe für persönliches Wachstum.

Attraktive Aussichten, wie ich finde.

Was es aber für Mütter und Väter braucht, ist eine gerechte Entlohnung, sowohl für die Welt der Erwerbsarbeit UND für die Welt der Carearbeit. Mindestens genauso wichtig und entscheiden ist eine gesteigerte gesellschaftliche Anerkennung. Dafür kann jede *r Einzelne einen Beitrag leisten.

Solange aktuell wieder davon zu lesen ist, dass wir gerade einen Rückschritt in die 50er machen, weil sich Frauen wieder mehr um Kinder kümmern müssen, anstatt der viel wichtigeren Erwerbsarbeit im Homeoffice nachgehen zu können sind wir keinen Schritt weiter.

Alles Gute.

Ähnliche Beiträge

Ein erster Schritt. Ein weiter Weg. Eine lohnenswerte Vision

Hier ist er nun. Der erste Schritt, der erste Blogeintrag. Obwohl ich zuvor schon viele Schritte gegangen bin und auch schon ein beachtlicher Weg hinter mir liegt, fühlt es sich gerade so an, als würde ein neuer Weg beginnen. Als wäre alles Vorherige eine Teststrecke gewesen, um mich auf den kommenden Weg vorzubereiten. Was macht den Unterschied aus frage ich mich? Was hat sich geändert?

Fremdbetreuung und die Bewahrung weicher Herzen

Menschsein bedeutet auch immer verletzlich zu sein. Wir Menschen sind sehr empfindliche Wesen, die leicht verletzt werden können. Das gilt auf körperlicher Ebene, genauso wie auf emotionaler Ebene. Ein Schnitt, ein Sturz, ein Unfall können uns schnell verwunden. Auf der “emotionalen” Ebene reichen oft Kleinigkeit: ein Blick, ein Wort, eine Geste und wir fühlen uns verletzt. Empfindlich ist dabei nicht gleichbedeutend mit zerbrechlich. Es bedeutet auch nicht schwach zu sein. Es bedeutet, dass wir fühlen, dass wir wahrnehmen was passiert.

Aber wie gehen wir damit um?

Rückmeldungen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Pin It on Pinterest